Ihre WordPress-Website ist fertig. Das Projekt ist abgeschlossen, die Veranstaltung vorbei, der Betrieb hat zugesperrt, oder es ändert einfach niemand mehr etwas daran. Trotzdem zahlen Sie jedes Jahr für das Hosting, und WordPress will weiterhin Updates. Lassen Sie die Updates liegen, wird die Website mit jedem Monat angreifbarer. Löschen wollen Sie sie aber auch nicht, denn die Inhalte sind noch etwas wert: für Google, für Menschen, die nachschlagen, oder einfach als Erinnerung.
Es gibt einen dritten Weg zwischen Weiterzahlen und Löschen: Sie machen aus der WordPress-Website eine statische Kopie. Jede Seite wird zu einer fertigen HTML-Datei, die genauso aussieht wie vorher und unter derselben Adresse erreichbar bleibt. Danach brauchen Sie kein WordPress, keine Datenbank und kein PHP-Hosting mehr, und eine statische Website lässt sich kostenlos betreiben. Dieser Beitrag erklärt, für wen das passt, was dabei verloren geht, was Sie trotzdem nicht loswerden und wie Sie es selbst machen.
Für welche Websites das passt
Die Frage ist nicht, wie groß oder wie alt die Website ist, sondern ob sie sich noch ändert. Eine statische Kopie passt, wenn Sie nichts mehr selbst bearbeiten wollen. Typische Fälle:
- Ein Betrieb, der geschlossen hat, dessen Website aber noch zeigt, wer Sie waren, und unter dessen Namen noch Menschen suchen.
- Ein abgeschlossenes Projekt oder eine vergangene Veranstaltung: eine Konferenz, ein Festival, ein Forschungsprojekt, ein Jubiläum. Programm, Berichte und Bilder sollen nachlesbar bleiben.
- Das Archiv eines Vereins, dessen aktuelle Seite inzwischen woanders läuft, oder eines Vereins, der sich aufgelöst hat.
- Eine Website, die niemand mehr bearbeitet, für die Sie aber weiter Hosting und Wartung bezahlen, weil man das eben so macht.
Nicht passend ist eine statische Kopie, wenn Sie selbst noch regelmäßig Inhalte ändern, wenn auf der Website verkauft, gebucht oder reserviert wird, oder wenn es einen Mitgliederbereich gibt. Dann ist WordPress mit laufender Pflege die ehrlichere Lösung, siehe WordPress-Website richtig pflegen.
Was „statisch“ bedeutet
Eine WordPress-Website baut jede Seite erst in dem Moment zusammen, in dem jemand sie aufruft: PHP liest die Inhalte aus der Datenbank, setzt sie in das Theme ein, die Plugins ergänzen ihren Teil, und erst dann geht die fertige Seite an den Browser. Dafür braucht es einen Server mit PHP und eine Datenbank, und genau diese beiden müssen laufend aktualisiert werden.
Eine statische Website überspringt diesen Schritt. Die Seiten werden einmal erzeugt und als fertige Dateien abgelegt: HTML, CSS, JavaScript, Bilder, PDFs. Der Server liefert sie nur noch aus. Das ist so einfach, dass manche Anbieter es kostenlos machen, etwa Cloudflare oder Netlify.
Beim Umwandeln bleibt gleich:
- das Aussehen: Theme, Schriften, Bilder, Menüs, so wie sie heute im Browser erscheinen;
- jede Adresse:
/ueber-uns/bleibt/ueber-uns/. Links von anderen Websites und Ihre Positionen bei Google gehen nicht verloren; - Dateien zum Herunterladen, etwa PDFs, sofern sie auf Ihrer Website liegen.
Was nicht mehr funktioniert
Alles, was in WordPress im Moment des Aufrufs etwas ausrechnet, speichert oder verschickt, hört auf zu funktionieren. Das sollten Sie vorher wissen, nicht hinterher bemerken:
| Funktion | Was passiert | Was Sie stattdessen tun |
|---|---|---|
| Kontaktformular | Es lässt sich ausfüllen, aber nichts kommt an | Durch eine E-Mail-Adresse ersetzen, oder ein Formular über einen externen Dienst einbinden |
| Suche | Liefert keine Ergebnisse mehr | Das Suchfeld entfernen; bei wenigen Seiten genügt das Menü |
| Kommentare | Neue Kommentare lassen sich nicht mehr abschicken | Kommentare vorher schließen; die vorhandenen bleiben als Text stehen |
| Anmeldung, Mitgliederbereich | Gibt es nicht mehr | Siehe oben: dann passt eine statische Kopie nicht |
| Shop, Buchung, Newsletter-Anmeldung | Funktioniert nicht mehr | Entfernen oder auf den externen Dienst verlinken |
Die kostenpflichtigen Versionen der Export-Plugins bieten für Formulare und Suche eigene Lösungen an. Für eine Website, die sich nicht mehr ändert, ist das meist mehr, als sie braucht: Eine E-Mail-Adresse statt des Formulars tut es fast immer.
Was Sie nicht loswerden: Impressum und Datenschutzerklärung
Eine eingefrorene Website ist immer noch eine Website, und die Pflichtangaben gelten weiter.
- In Österreich braucht jede Website eine Offenlegung nach § 25 Mediengesetz, auch eine private und auch ein Archiv. Für eine Website, die nur die Person oder den Betrieb dahinter darstellt, genügen nach Abs. 5 Name oder Firma, gegebenenfalls der Unternehmensgegenstand und Wohnort oder Sitz. Wirbt die Website noch für ein Unternehmen, kommen die Angaben nach § 5 E-Commerce-Gesetz dazu.
- In Deutschland verlangt § 18 Medienstaatsvertrag von jeder Website, die nicht ausschließlich persönlichen oder familiären Zwecken dient, Name und Anschrift; geschäftsmäßige Angebote brauchen das volle Impressum nach § 5 Digitale-Dienste-Gesetz.
- Die Datenschutzerklärung bleibt ebenfalls. Auch eine statische Website verarbeitet beim Aufruf die IP-Adressen Ihrer Besucher, mindestens bei dem Anbieter, der sie ausliefert. Weil sich mit dem Umzug dieser Anbieter ändert, muss ihn die Datenschutzerklärung neu nennen (Art. 13 Abs. 1 lit. e DSGVO: die Empfänger der Daten). Dafür fallen Abschnitte weg: über das Kontaktformular, die Kommentare und das Plugin, das es nicht mehr gibt.
Was nach dem Einfrieren meist ebenfalls wegfällt, ist das Cookie-Banner: Eine Einwilligung brauchen Sie nur, wenn die Website etwas im Browser Ihrer Besucher speichert oder von dort ausliest, das für die Website nicht unbedingt nötig ist (§ 165 Abs. 3 TKG 2021, in Deutschland § 25 TDDDG). Entfernen Sie dafür vor dem Export alles, was von fremden Servern lädt: Statistik, eingebettete Videos, Karten, Schriften von Google.
Und eines bleibt Ihre Aufgabe, solange die Website online ist: dass diese Angaben stimmen. Ziehen Sie um, ändert sich Ihr Firmenname oder übernimmt jemand anderer den Verein, gehört das auch auf die eingefrorene Website. Mehr zu den Pflichtangaben: Impressum, Datenschutzerklärung, Cookie-Banner.
Bevor Sie kündigen: drei Dinge prüfen
1. Ihre E-Mail. Bei vielen kleinen Websites liegen die Postfächer (office@ihre-domain.at) beim selben Anbieter wie die Website. Kündigen Sie das Hosting, sind die Postfächer weg. Klären Sie vorher, wo Ihre E-Mail liegt, und ziehen Sie sie gegebenenfalls zuerst um: E-Mail-Adressen für die eigene Domain einrichten.
2. Ihre Domain. Steht die Domain im selben Vertrag wie das Hosting, dürfen Sie nicht einfach alles kündigen, sonst geht die Adresse verloren. Kündigen Sie nur das Hosting-Paket und behalten oder übertragen Sie die Domain. Ist eine Domain einmal frei, kann sie jeder registrieren, auch jemand, der unter Ihrem alten Namen etwas ganz anderes veröffentlicht.
3. Die Kündigungsfrist. Viele Hosting-Verträge verlängern sich automatisch um ein Jahr. Wann Sie kündigen müssen und was beim Wechsel zu beachten ist: Hosting-Anbieter wechseln: Muss ich auf die Kündigung warten?
Selbst machen: Schritt für Schritt
Für den Export gibt es WordPress-Plugins, die Ihre Website so aufrufen, wie ein Besucher es tut, und jede Seite als Datei speichern. Am weitesten verbreitet ist Simply Static: kostenlos im offiziellen WordPress-Verzeichnis, laut wordpress.org auf über 30.000 Websites aktiv und laufend aktualisiert. Die Oberfläche ist größtenteils englisch, deshalb nenne ich die Beschriftungen unten so, wie sie dort stehen. Für eine einmalige Kopie genügt die kostenlose Version.
1. Sichern. Erstellen Sie eine vollständige Sicherung von Dateien und Datenbank und laden Sie sie herunter. Sie ist Ihr Rückweg, falls Sie die Website doch wieder bearbeiten wollen: Aus ihr lässt sich die WordPress-Website jederzeit wiederherstellen.
2. Aufräumen. Schließen Sie die Kommentare, entfernen Sie Kontaktformular und Suchfeld, und schalten Sie ab, was von fremden Servern lädt. Deaktivieren Sie auch das Cookie-Banner-Plugin, wenn danach nichts mehr übrig ist, wofür es eine Einwilligung bräuchte. Was Sie jetzt nicht entfernen, landet in der Kopie.
3. Caching ausschalten. Simply Static verlangt es in seiner eigenen Diagnose: Vor dem Export soll das Caching ausgeschaltet sein. Deaktivieren Sie Ihr Caching-Plugin, solange Sie exportieren.
4. Simply Static einrichten. Installieren Sie das Plugin über Plugins → Plugin hinzufügen. Unter Simply Static → Settings wählen Sie bei „Replacing URLs“ die Option „Absolute URLs“ und tragen Ihre eigene Domain ein, wenn die Kopie unter derselben Adresse laufen soll. Als Ziel genügt „ZIP Archive“. Unter Simply Static → Diagnostics sehen Sie, ob Ihr Server alles mitbringt, was das Plugin braucht.
5. Exportieren. Unter Simply Static → Generate starten Sie den Export. Ist er fertig, finden Sie im „Activity Log“ den Link „Click here to download“ und laden das ZIP-Archiv herunter.
6. Prüfen. Entpacken Sie das Archiv und öffnen Sie einige Seiten. Klicken Sie sich durch das Menü, schauen Sie Bilder und PDFs an. Wenn Ihnen etwas fehlt, etwa eine Seite, die nirgends verlinkt ist, tragen Sie sie in den Einstellungen unter „Additional URLs“ ein und exportieren neu.
7. Online stellen. Eine statische Website braucht nur einen Ort, der Dateien ausliefert. Cloudflare erklärt in einer eigenen Anleitung, wie Sie das ZIP von Simply Static in Cloudflare Pages hochladen: Konto anlegen, Workers & Pages → Create application → Pages → Use direct upload, Datei hineinziehen, fertig. Die kostenlose Stufe erlaubt bis zu 20.000 Dateien pro Website und 25 MiB pro Datei; Aufrufe statischer Dateien sind nach Cloudflares eigener Preisseite kostenlos und unbegrenzt. Netlify hat ebenfalls eine kostenlose Stufe, mit einem monatlichen Kontingent. Vercel erlaubt im kostenlosen Tarif nur private, nicht geschäftliche Nutzung, und GitHub Pages ist nach seinen eigenen Regeln nicht als kostenloses Hosting für ein Geschäft gedacht.
8. Domain umstellen. Damit die Kopie unter Ihrer Adresse erscheint, verbinden Sie die Domain mit dem neuen Anbieter. Bei Cloudflare Pages heißt das für die Hauptadresse (ihre-domain.at ohne www), dass die Domain mit ihren Nameservern zu Cloudflare umzieht. Achten Sie dabei auf die E-Mail-Einträge (MX und TXT): Fehlen sie nach dem Umzug, kommt keine E-Mail mehr an.
9. Alles noch einmal prüfen. Rufen Sie die wichtigsten Adressen unter Ihrer Domain auf, auch die, unter denen Sie bei Google gefunden werden. Prüfen Sie Impressum und Datenschutzerklärung. Senden Sie eine Test-E-Mail an Ihre Adresse.
10. Erst dann kündigen. Hosting und, falls vorhanden, den Wartungsvertrag. Die Sicherung aus Schritt 1 behalten Sie.
Andere Werkzeuge. Staatic arbeitet ähnlich wie Simply Static und ist ebenfalls im WordPress-Verzeichnis. Wer mit der Kommandozeile vertraut ist, kann eine Website auch ohne Plugin mit wget --mirror --convert-links --adjust-extension --page-requisites --no-parent https://ihre-domain.at/ herunterladen. Das früher oft empfohlene WP2Static ist seit 2020 nicht mehr im WordPress-Verzeichnis; nehmen Sie es nicht mehr.
Was die Plugin-Hersteller versprechen und was davon stimmt. Statische Seiten lassen sich nicht über PHP-Lücken oder eine Datenbank angreifen, weil es beides nicht mehr gibt. „Nicht hackbar“ ist trotzdem zu viel: Angreifbar bleiben Ihr Konto beim neuen Anbieter und Ihre Domain. Schützen Sie beide mit einem starken Passwort und Zwei-Faktor-Anmeldung.
Wenn die Website gehackt wurde
Eine statische Kopie friert ein, was die Website ausliefert, also auch eingeschleuste Links, Weiterleitungen oder Schadcode. Wurde Ihre Website gehackt oder wirkt sie seltsam, etwa weil Google fremde Seiten unter Ihrer Domain anzeigt, dann muss sie zuerst gesäubert werden, und erst danach wird sie eingefroren. Das Einfrieren selbst ist dann ein guter Abschluss: Die üblichen Einfallstore von WordPress – veraltete Plugins und Themes, die Anmeldeseite – gibt es danach nicht mehr.
Machen lassen: Einfrieren
Wenn Sie das nicht selbst machen wollen, übernehme ich es. Ich nenne das „Einfrieren“: Ich mache aus Ihrer WordPress-Website eine statische Kopie, räume sie auf, erstelle Impressum und Datenschutzerklärung neu, und jede alte Adresse bleibt erhalten. Die Website läuft danach im kostenlosen Tarif Ihres eigenen Cloudflare-Kontos. Das Konto legen Sie selbst an, ich leite Sie an, und Ihre Domain bleibt auf Ihren Namen eingetragen. Danach können Sie Hosting und Wartung kündigen. Das Einfrieren kostet einmalig € 588 (inkl. 20 % USt., netto € 490).
Zwei Wege danach:
- Mit Betreuung (Sorglos Schwerelos, € 298,80 im Jahr, netto € 249): Ich halte die Rechtstexte aktuell, wenn sich Vorlagen oder Gesetze ändern, prüfe die Website täglich auf Erreichbarkeit, Zertifikat und Datenschutz, behalte das Ablaufdatum Ihrer Domain im Blick, bewahre Ihre Website an drei voneinander unabhängigen Orten auf, und kleine Änderungen sind inklusive (30 Minuten pro Quartal). Das empfehle ich, nötig ist es nicht.
- Ohne Betreuung: Sie bekommen alle Dateien, ich trete aus Ihrem Cloudflare-Konto aus, und Impressum und Datenschutzerklärung aktuell zu halten ist ab dann Ihre Aufgabe.
Alle Einzelheiten stehen auf der Seite zu Schwerelos und dem Einfrieren.
Häufige Fragen
Kann ich später doch wieder etwas ändern?
Ja. Eine kleine Textänderung lässt sich direkt in der HTML-Datei machen. Für größere Änderungen stellen Sie die WordPress-Website aus der Sicherung wieder her, zum Beispiel auf Ihrem eigenen Computer, ändern dort und exportieren neu.
Verliere ich meine Positionen bei Google?
Wenn alle Adressen gleich bleiben, ist das für Google ein Wechsel des Hostings, keine neue Website: dieselben Seiten unter denselben Adressen. Google schreibt dazu, dass sich danach für ein paar Tage die Häufigkeit ändern kann, mit der Ihre Seiten abgerufen werden. Prüfen Sie nach dem Umzug in der Google Search Console, ob Seiten als „nicht gefunden“ gemeldet werden.
Wird die Website dadurch schneller?
Meist ja, weil nichts mehr zusammengebaut werden muss. Bilder, Schriften und Skripte des Themes bleiben allerdings so groß, wie sie sind.
Was kostet der Betrieb danach?
Beim Hosting in der kostenlosen Stufe nichts. Weiter bezahlen Sie Ihre Domain, so wie bisher.

