Sie möchten Ihre WordPress-Website in einer zweiten Sprache anbieten, vielleicht auch in einer dritten. Welche Entscheidungen stehen an, in welcher Reihenfolge, und was kostet das im Betrieb?

Eine mehrsprachige WordPress-Website entsteht in fünf Entscheidungen: Welche Sprachen Sie wirklich brauchen, wie übersetzt wird (Plugin, Cloud-Dienst oder Proxy), unter welchen Adressen die Sprachversionen liegen, wer übersetzt (Mensch, Maschine oder beides) und wie Änderungen künftig in alle Sprachen kommen. Für die meisten kleinen und mittleren Websites lautet die Antwort: ein Übersetzungs-Plugin, Unterverzeichnisse wie /en/, automatische Vorübersetzung mit menschlicher Prüfung der wichtigen Seiten.

Mehrsprachige Websites in WordPress

In diesem Leitfaden gehe ich die fünf Entscheidungen der Reihe nach durch. Wo ein Thema mehr Platz braucht, verweise ich auf einen eigenen Artikel; alles andere steht hier.

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Brauchen Sie wirklich eine zweite Sprache?

Jede Sprache ist nicht nur eine einmalige Übersetzung, sondern eine dauerhafte Aufgabe: Jeder neue Beitrag, jede Preisänderung, jede neue Leistung muss in alle Sprachen. Eine halb gepflegte englische Version wirkt schlechter als gar keine.

Fragen Sie sich deshalb vorab:

  • Wer soll die Seiten lesen? Kunden im Ausland, Touristen, internationale Mitarbeiter, Geschäftspartner? Daraus folgt, welche Sprachen Sie brauchen, und ob es um Sprachen oder um Länder geht.
  • Welche Seiten brauchen diese Leser? Oft reichen Startseite, Leistungen und Kontakt. Ein Blog muss nicht in jede Sprache.
  • Wer pflegt die Übersetzungen? Wenn niemand die Zielsprache beherrscht, planen Sie Prüfung und Kosten von Anfang an ein.

Vier Wege zu einer mehrsprachigen WordPress-Website

WordPress selbst kann bis heute keine Inhalte in mehreren Sprachen verwalten. Mehrsprachigkeit ist die vierte und letzte Phase der WordPress-Roadmap und noch nicht umgesetzt. Bis dahin gibt es vier Wege:

  1. Ein Übersetzungs-Plugin, das die Übersetzungen in Ihrer eigenen Datenbank speichert. Beispiele: TranslatePress, WPML, Polylang. Die Übersetzungen gehören Ihnen und bleiben, wenn Sie das Plugin nicht mehr bezahlen. Das ist der Standardweg und für die meisten Websites der richtige.
  2. Ein Übersetzungsdienst als Abo, der die Übersetzungen in seiner Cloud speichert. Beispiel: Weglot. Ein Plugin bindet den Dienst ein, die Übersetzungen liegen aber auf den Servern des Anbieters. Bequem, schnell eingerichtet und unabhängig vom Theme – aber endet das Abo, ist die Website nicht mehr übersetzt. Ein Export der Übersetzungen ist möglich und sollte vorher geprüft werden.
  3. Ein Proxy-Übersetzungsdienst. Hier installieren Sie gar nichts in WordPress. Die fremdsprachige Version läuft über die Server des Anbieters, Sie zeigen nur eine Subdomain oder Domain per DNS dorthin. Das funktioniert mit jedem System, nicht nur mit WordPress. Prüfen Sie vorher: Wem gehören die Übersetzungen, lassen sie sich exportieren, setzt der Dienst korrekte hreflang-Angaben, und was protokolliert er über Ihre Besucher? Weil alle Besucher der Sprachversion über seine Server gehen, verarbeitet der Anbieter dabei personenbezogene Daten in Ihrem Auftrag: Sie brauchen mit ihm einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung (Art. 28 DSGVO) und einen Eintrag in der Datenschutzerklärung.
  4. WordPress Multisite: eine eigene Website pro Sprache. Jede Sprache ist eine eigene Unterseite eines Multisite-Netzwerks, ein Plugin verknüpft die Übersetzungen. Das passt zu großen Organisationen, in denen jedes Land seine Website selbst pflegt, ist für kleine Websites aber zu aufwendig.

Welches Übersetzungs-Plugin?

Welche Sprachen unterstützen WordPress-Übersetzungsplugins?

Die vier verbreitetsten Lösungen für WordPress, Stand Oktober 2026 laut wordpress.org und den Seiten der Hersteller:

  • TranslatePress: Sie übersetzen direkt auf der sichtbaren Seite, Satz für Satz, auch Texte aus Theme, Page Builder und Formularen. Die kostenlose Version übersetzt in eine weitere Sprache; automatische Übersetzung über den KI-Dienst des Herstellers, Google Übersetzer oder (in den größeren Bezahlversionen) DeepL. Unterverzeichnisse als Standard, eigene Domains pro Sprache als Add-on. Die Übersetzungen liegen in Ihrer Datenbank. Mein Standard für kleine und mittlere Websites, weil man ohne Einarbeitung sieht, was man übersetzt. Werbung (Affiliate-Link): TranslatePress ansehen
  • WPML: Der Klassiker für große Websites und Shops, nur als Bezahlversion. Ab der mittleren Stufe mit Übersetzungsverwaltung für Teams und Übersetzungsbüros, Unterstützung für Page Builder und WooCommerce sowie einem Kontingent an KI-Übersetzung.
  • Polylang: Kostenlos und ohne Begrenzung der Sprachen. Jede Sprachversion ist ein eigener Beitrag, den Sie im gewohnten Editor schreiben. Unterverzeichnisse, Subdomains oder eigene Domains schon in der kostenlosen Version. Maschinelle Übersetzung (DeepL) nur in Polylang Pro.
  • Weglot: Der Abo-Dienst aus dem vorigen Abschnitt. Am schnellsten eingerichtet, abgerechnet nach Zahl der übersetzten Wörter und Sprachen; die Übersetzungen liegen beim Anbieter.

Achten Sie bei der Auswahl auf vier Dinge: Werden Theme, Page Builder und Ihre wichtigsten Plugins unterstützt (Formulare, Shop, SEO-Plugin)? Lassen sich einzelne Elemente von der Übersetzung ausnehmen, etwa Markennamen oder Zitate? Werden URL-Slugs, Seitentitel und Meta-Beschreibungen mitübersetzt? Und wo liegen die Übersetzungen, wenn Sie das Plugin oder den Dienst wechseln wollen? Testen Sie Ihren Kandidaten vorher auf einer Kopie Ihrer Website.

Unter welchen Adressen? Die URL-Struktur

Struktur

Jede Sprachversion braucht eine eigene Adresse. Zur Wahl stehen eigene Domains (ihre-website.de, your-website.com), Subdomains (en.ihre-website.at), Unterverzeichnisse (ihre-website.at/en/) und URL-Parameter (?lang=en). Für Google sind die ersten drei gleichwertig, von Parametern rät Google ab.

Für die meisten Websites sind Unterverzeichnisse die beste Wahl: eine Domain, eine Installation, keine Zusatzkosten. Wann sich die anderen Varianten lohnen, mit Vergleichstabelle und Empfehlungen für typische Situationen, steht in Die beste URL-Struktur für Ihre mehrsprachige Website: Eine Entscheidungshilfe.

Wer übersetzt? Mensch, Maschine oder beides

Automatische oder manuelle Übersetzung von Websites?

Automatische Übersetzung ist heute für einfache Sachtexte oft gut genug, ein Mensch ist für Werbetexte, Fachtexte und Rechtstexte nötig. Die meisten Websites fahren mit der Kombination am besten: maschinell vorübersetzen, die wichtigen Seiten von einem Muttersprachler prüfen lassen.

Welche Sprachen die Übersetzungsdienste abdecken, was Google zu automatisch übersetzten Inhalten sagt und wie die Plugins beides verbinden, steht in Was ist besser: Manuelle oder automatische Übersetzung für meine WordPress-Website?

Damit Google die Sprachversionen findet

Vier Punkte aus Googles Dokumentation zu mehrsprachigen Websites:

  • Eigene URL pro Sprache. Keine Umschaltung per Cookie oder Browsereinstellung, sonst sieht Google nur eine Version.
  • hreflang-Angaben. Jede Sprachversion nennt sich selbst und alle anderen, und zwar gegenseitig; einseitige Angaben ignoriert Google (Anleitung). TranslatePress, Polylang und Weglot setzen diese Angaben selbst. Prüfen Sie nach der Einrichtung im Quelltext einer Seite, ob die hreflang-Zeilen da sind.
  • Keine automatische Weiterleitung nach Sprache oder Standort. Google rät ausdrücklich davon ab, Besucher anhand ihrer vermuteten Sprache oder ihrer IP-Adresse umzuleiten. Bieten Sie stattdessen einen gut sichtbaren Sprachumschalter an; Besucher wählen selbst.
  • Eine Sprache pro Seite. Google erkennt die Sprache am sichtbaren Text. Seiten, auf denen nur Menü und Fußzeile übersetzt sind, der Inhalt aber nicht, sind für Leser und Suchmaschine verwirrend.

Übersetzen Sie auch Seitentitel und Meta-Beschreibungen, und recherchieren Sie die Suchbegriffe in der Zielsprache neu: Die wörtliche Übersetzung Ihres deutschen Suchbegriffs ist oft nicht das, was im Zielmarkt gesucht wird.

Was außer dem Text noch übersetzt werden muss

Beiträge und Seiten sind der kleinere Teil der Arbeit. Denken Sie auch an:

  • Menüs und Widgets – bei Polylang und WPML eigene Menüs pro Sprache, bei TranslatePress übersetzen Sie sie auf der Seite.
  • Texte aus Theme und Plugins, etwa Schaltflächen, Formularfelder, Fehlermeldungen und die E-Mails, die Ihre Website verschickt.
  • Bilder: Alternativtexte, Bildunterschriften und Bilder, in denen selbst Text steht.
  • URL-Slugs, Seitentitel und Meta-Beschreibungen für die Suchmaschinen.
  • Formulare und Bestätigungsseiten, damit eine englische Anfrage nicht auf einer deutschen Danke-Seite landet.
  • Impressum und Datenschutzerklärung in einer Fassung, die zum jeweiligen Angebot passt. Lassen Sie Rechtstexte nicht nur maschinell übersetzen.
  • Kommentare und andere Beiträge von Besuchern: Sie bleiben meist in ihrer Originalsprache, und das ist in Ordnung.

Den Übersetzungsprozess organisieren

Arbeitsabläufe für mehrsprachige Websites

Bei einer kleinen Website übersetzen Sie vielleicht selbst. Sobald mehrere Personen beteiligt sind, braucht es einen festen Ablauf, sonst veralten die Übersetzungen still.

Die Rollen: Die Redaktion schreibt und gibt den Ausgangstext frei. Die Übersetzung überträgt ihn, ob Mensch oder Maschine. Die Prüfung liest die Übersetzung gegen, am besten ein Muttersprachler, der das Fachgebiet kennt. Die Technik sorgt dafür, dass Plugin, Menüs, Formulare und hreflang funktionieren. In kleinen Teams übernimmt eine Person mehrere Rollen; wichtig ist nur, dass jede Aufgabe jemandem gehört.

Der Ablauf für jeden neuen oder geänderten Text:

  1. Ausgangstext fertig schreiben und freigeben – Übersetzungen eines Textes, der sich noch ändert, sind verlorene Arbeit.
  2. Übersetzen (automatisch vorübersetzen oder vergeben).
  3. Prüfen und korrigieren lassen, bei wichtigen Seiten immer.
  4. In allen Sprachen gleichzeitig veröffentlichen und die Sprachversionen im Browser durchklicken.

Was die Arbeit leichter macht:

  • Ein Glossar: Firmen- und Produktnamen, Fachbegriffe und die Entscheidung „Sie“ oder „du“ werden einmal festgelegt und gelten für alle.
  • Ein kurzer Stilleitfaden für jede Sprache: Ton, Zielgruppe, Schreibweisen.
  • Änderungen am Original sichtbar machen, etwa mit einem Vermerk im Redaktionsplan, und festlegen, wer die betroffenen Übersetzungen nachzieht.
  • Werkzeuge passend zur Größe: Für kleine und mittlere Websites reicht das Übersetzungs-Plugin mit eigenen Übersetzerkonten (bei TranslatePress in den größeren Bezahlversionen, bei WPML die Übersetzungsverwaltung). Große Projekte mit Übersetzungsbüros arbeiten mit Übersetzungsmanagement-Systemen wie Phrase oder Trados, die einmal übersetzte Sätze wiederverwenden (Translation Memory). Die Brücke zwischen beiden ist meist ein Export im Austauschformat XLIFF.

Was kostet eine mehrsprachige Website?

Konkrete Preise ändern sich zu oft für einen Leitfaden, die Kostentreiber nicht:

  • Das Plugin oder der Dienst: kostenlos (Polylang, TranslatePress für eine weitere Sprache) oder als Jahreslizenz pro Website; Abo-Dienste rechnen nach Wörtern und Sprachen ab, und das laufend.
  • Die automatische Übersetzung: Wortkontingente sind in Bezahlversionen meist enthalten, darüber hinaus wird nach Wörtern abgerechnet.
  • Die menschliche Übersetzung und Prüfung: meist nach Wörtern oder Stunden, abhängig von Sprache und Fachgebiet. Das ist bei den meisten Websites der größte Posten.
  • Die laufende Pflege: Jede Änderung, jeder neue Beitrag kostet in jeder Sprache wieder Zeit.
  • Die Einrichtung: Plugin, Sprachumschalter, Menüs, Formulare, hreflang und ein Test aller Sprachversionen.

Wer die Zahl der Sprachen und den Umfang der übersetzten Seiten bewusst klein hält, spart an jedem dieser Punkte.

Zusammenfassung

Eine mehrsprachige WordPress-Website braucht fünf Entscheidungen: welche Sprachen und Seiten, welcher Weg (Plugin, Cloud-Dienst, Proxy oder Multisite), welche URL-Struktur, wer übersetzt, und wer die Übersetzungen künftig aktuell hält. Für die meisten kleinen und mittleren Websites heißt das: ein Übersetzungs-Plugin mit Übersetzungen in der eigenen Datenbank, Unterverzeichnisse, automatische Vorübersetzung mit menschlicher Prüfung der wichtigen Seiten und ein fester Ablauf für Änderungen.

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