Es gibt viele gute Gründe, eine Website abzuschalten. Der Betrieb hat zugesperrt, das Projekt ist abgeschlossen, der Verein hat sich aufgelöst oder tritt inzwischen unter einer anderen Adresse auf. Oder die Website läuft einfach weiter, niemand kümmert sich mehr um sie, und Hosting und Wartung kosten trotzdem jedes Jahr Geld. Ob Sie das „abschalten“, „stilllegen“, „offline nehmen“ oder „löschen“ nennen: Gemeint ist fast immer dasselbe. Die Website soll weg.
Das ist schnell erledigt: Vertrag kündigen, fertig. Was danach fehlt, merkt man oft erst Wochen später. Die E-Mails kommen nicht mehr an, weil die Postfächer mit dem Hosting verschwunden sind. Die Domain gehört plötzlich jemand anderem. Oder Daten aus einem alten Kontaktformular liegen noch irgendwo, wo sie niemand mehr im Blick hat.
Dieser Beitrag zeigt, was Sie vorher klären sollten und in welcher Reihenfolge Sie die Website abschalten. Und weil viele eigentlich nur die laufenden Kosten und den Aufwand loswerden wollen, steht am Ende, warum Sie dafür nicht löschen müssen.
Für eine Weile oder für immer?
Die eine Unterscheidung, die wirklich zählt: Soll die Website zurückkommen oder nicht?
Vorübergehend abschalten heißt: Die Website ist für eine Weile nicht erreichbar, etwa während eines Umbaus, und kommt danach zurück. Dafür kündigen Sie nichts. Bei WordPress genügt ein Wartungsmodus, der Besuchern statt der Website einen Hinweis zeigt. Wichtig dabei ist Google: Google rät davon ab, eine Website länger als ein paar Tage ganz abzuschalten, weil sie danach in der Suche nur langsam zurückkommt, und es gibt keinen Weg, das zu beschleunigen. Muss es länger dauern, zeigen Sie lieber eine reduzierte Website mit einem Hinweis, als gar keine.
Auch eine Website, die nur einen Hinweis wie „Wir haben geschlossen“ zeigt, ist eine Website und braucht ihre Pflichtangaben. In Österreich verlangt § 25 Mediengesetz für jede Website eine Offenlegung, in Deutschland § 18 Medienstaatsvertrag Name und Anschrift für jede Website, die nicht ausschließlich persönlichen oder familiären Zwecken dient. Mehr dazu: Impressum, Datenschutzerklärung, Cookie-Banner.
Endgültig abschalten heißt: Die Website verschwindet, mit Inhalten und Daten. Darum geht es im Rest dieses Beitrags.
Bevor Sie abschalten: was Sie klären müssen
1. Website und Domain sind zwei verschiedene Dinge
Die Website ist das, was Besucher sehen: Seiten, Bilder, die Software dahinter, und dafür bezahlen Sie das Hosting oder den Baukasten. Die Domain ist die Adresse, ihre-domain.at. Beides steckt oft im selben Vertrag, lässt sich aber meist getrennt behandeln. Ob Sie nur das Hosting- oder Baukasten-Paket kündigen und die Domain behalten oder zu einem anderen Anbieter mitnehmen können, steht in Ihrem Vertrag oder Kundenbereich. Klären Sie das, bevor Sie auf „Kündigen“ klicken.
Ob Sie die Domain behalten sollen, ist eine echte Abwägung. Eine Domain kostet wenig im Jahr. Geben Sie sie frei, kann sie jeder registrieren, und abgelaufene Domains werden gezielt aufgekauft, weil Links und Bekanntheit an ihnen hängen. Google beschreibt das in seinen Spam-Richtlinien als „Expired domain abuse“: Unter der früheren Adresse einer Schule stehen dann zum Beispiel Casino-Inhalte. Unter Ihrem alten Firmen- oder Vereinsnamen erscheint dann etwas, das nichts mit Ihnen zu tun hat. Bei einem bekannten Namen behalten Sie die Domain besser noch ein paar Jahre.
2. E-Mail: Wo liegen Ihre Postfächer?
Das ist der häufigste und teuerste Fehler. Bei vielen kleinen Websites liegt die E-Mail (office@ihre-domain.at) beim selben Anbieter wie die Website, oft im selben Paket. Kündigen Sie das Paket, sind Postfächer und Adressen weg, und mit ihnen alles, was noch darin liegt.
Prüfen Sie deshalb zuerst, wo Ihre E-Mail liegt. Wollen Sie die Adressen behalten, ziehen Sie die E-Mail zuerst um, und kündigen Sie erst danach: E-Mail-Adressen für die eigene Domain einrichten. Brauchen Sie die Adressen nicht mehr, sichern Sie wenigstens die Nachrichten, die Sie aufheben müssen oder wollen.
3. Daten: sichern, was Sie brauchen, löschen, was Sie nicht mehr brauchen
Eine Website enthält oft mehr Daten, als man denkt: Nachrichten aus dem Kontaktformular, Kommentare mit E-Mail-Adressen, Benutzerkonten, eine Newsletter-Liste, Bestellungen aus einem Shop.
- Sichern Sie vor dem Abschalten eine vollständige Kopie von Dateien und Datenbank. Damit können Sie die Website später wiederherstellen und kommen an alles heran, was Sie noch brauchen.
- Bestellungen und Rechnungen gehören zu Ihren Buchhaltungsunterlagen und müssen aufbewahrt werden. Wie lange, sagt Ihnen Ihre Steuerberatung.
- Personenbezogene Daten, die Sie nicht mehr brauchen, löschen Sie. Die DSGVO erlaubt, solche Daten nur so lange aufzubewahren, wie es für ihren Zweck erforderlich ist (Art. 5 Abs. 1 lit. e). Mit der Website endet für die meisten dieser Daten in der Regel auch der Zweck: Formularnachrichten, Benutzerkonten, Kommentar-Adressen. Bei einer Newsletter-Liste heißt das: Wenn Sie keinen Newsletter mehr verschicken, löschen Sie die Liste auch beim Versanddienst.
Denken Sie dabei an die Dienste, die mit der Website verbunden waren: Newsletter-Versand, Statistik, Buchungssystem, Zahlungsanbieter. Jeder davon hat eigene Daten und oft einen eigenen Vertrag.
4. Verträge und Fristen
Hosting, Domain, Wartungsvertrag, Premium-Plugins, Theme-Lizenz, Newsletter-Dienst: Schreiben Sie auf, was die Website kostet und wann jeder Vertrag gekündigt werden muss. Viele Hosting-Verträge verlängern sich automatisch um ein Jahr. Was bei Hosting-Verträgen zu beachten ist: Hosting-Anbieter wechseln: Muss ich auf die Kündigung warten?
5. Wo überall Ihre Adresse steht
Ihr Google-Unternehmensprofil, Social-Media-Profile, Branchenverzeichnisse, die E-Mail-Signatur, Visitenkarten und Flyer, der Eintrag beim Verband: Überall dort steht die Adresse Ihrer Website. Notieren Sie, welche dieser Einträge Sie selbst verwalten.
Schritt für Schritt: die Website abschalten
- Liste anlegen: Verträge, Dienste und Fristen, wie oben.
- Sichern: eine vollständige Sicherung von Dateien und Datenbank herunterladen und an einem zweiten Ort aufbewahren.
- E-Mail umziehen oder die Nachrichten sichern.
- Domain klären: behalten, mitnehmen oder freigeben, und sie gegebenenfalls vom Hosting-Paket trennen.
- Daten löschen, die Sie nicht mehr brauchen, auch bei den verbundenen Diensten.
- Weiterleiten statt abschalten, wenn es eine neue Adresse gibt: Tritt der Verein jetzt anderswo auf oder ist der Betrieb in einem anderen aufgegangen, leiten Sie die alte Domain dorthin weiter. Besucher, Links und Google finden so den Weg.
- Kündigen: Hosting oder Baukasten und die anderen Verträge. Mit dem Ende des Vertrags geht die Website vom Netz.
- Einträge ändern: Profile und Verzeichnisse, die auf die Website zeigen.
Was danach mit Google passiert
Ist die Website weg, liefern ihre Adressen einen Fehler, und Google entfernt sie nach und nach aus der Suche: Seiten, die einen Fehlercode wie „404 nicht gefunden“ oder „410 entfernt“ liefern, nimmt Google aus dem Index. Soll eine Seite schneller verschwinden, gibt es in der Google Search Console ein Werkzeug zum Entfernen von Adressen (englisch „Removals“). Es blendet eine Adresse innerhalb eines Tages aus, aber nur für etwa sechs Monate. Dauerhaft verschwindet sie, wenn die Seite selbst nicht mehr da ist.
Löschen muss nicht sein
Wenn es Ihnen vor allem um das Geld oder den Aufwand geht, müssen Sie die Website nicht löschen. Viele Websites, die abgeschaltet werden, haben noch Leser: Menschen, die nach dem alten Betrieb suchen, nach dem Programm einer vergangenen Veranstaltung oder nach einem Bericht aus dem Vereinsleben.
Eine WordPress-Website lässt sich in eine statische Kopie umwandeln: fertige HTML-Dateien, die genauso aussehen wie vorher und unter denselben Adressen erreichbar bleiben, ohne Datenbank, ohne Updates und ohne Hosting-Rechnung. Ihre Domain zahlen Sie weiter, sonst nichts. Wie das geht, was dabei wegfällt und wie Sie es selbst machen, steht hier: WordPress in eine statische Website umwandeln: Hosting kündigen, Website behalten.
Dieselbe Kopie können Sie auch einfach für sich behalten, wenn die Website trotzdem vom Netz geht. Wer sie nur auf dem eigenen Computer aufheben will, wählt beim Export die Variante für die Offline-Nutzung und kann sie danach jederzeit im Browser durchblättern, ganz ohne Internet.
Häufige Fragen
Wie lösche ich meine Website aus Google?
Indem Sie sie löschen: Seiten, die nicht mehr erreichbar sind, nimmt Google nach und nach aus dem Index. Schneller geht es mit dem Werkzeug zum Entfernen von Adressen in der Google Search Console, das eine Adresse innerhalb eines Tages ausblendet, allerdings nur für etwa sechs Monate.
Kann ich meine Website abschalten lassen?
Ja. Eine Webagentur oder Ihr Hosting-Anbieter kann das übernehmen. Lassen Sie sich dabei bestätigen, dass E-Mail, Domain und Daten so behandelt werden, wie Sie es wollen, und dass Sie eine vollständige Sicherung bekommen.
Wie speichere ich eine Website komplett offline?
Mit einer statischen Kopie, wie oben beschrieben. Eine Sicherung von Dateien und Datenbank ist etwas anderes: Sie brauchen sie, um WordPress wiederherzustellen, aber durchblättern können Sie sie nicht.

