Eine kostenlose Website ist verlockend: anmelden, Vorlage wählen, Text hinein, online. Jimdo, Wix und WordPress.com bieten dafür einen Gratis-Tarif an. Für ein Hobby oder einen ersten Versuch kann das reichen. Für einen Betrieb, einen Verein oder Ihre Selbständigkeit hat „gratis“ aber einen Preis, und der wird oft erst sichtbar, wenn die Website schon steht.
Was sind die Risiken einer Gratis-Website? Die wichtigsten: fremde Werbung auf Ihrer Website, keine eigene Domain, ein schwieriger oder unmöglicher Umzug zu einem anderen Anbieter, eng begrenzte Seitenzahl und Funktionen, kaum Unterstützung – und Pflichten wie Impressum und Datenschutz, die Ihnen trotzdem niemand abnimmt.
Die Beispiele unten stammen aus den Tarifseiten der Anbieter, gelesen im Oktober 2026. Tarife ändern sich; prüfen Sie den aktuellen Stand, bevor Sie sich entscheiden.
1. Fremde Werbung auf Ihrer Website
Der Anbieter muss am Gratis-Tarif verdienen, und das geschieht auf Ihrer Website. Bei WordPress.com heißt es auf der Preisseite: „Auf kostenlosen Websites sehen Besucher WordPress.com-Werbung.“ Jimdo nennt „Werbefrei“ als Merkmal der Bezahltarife, im Gratis-Tarif ist es ausgeschlossen. Wix wirbt damit, dass alle Premiumpakete „kein Wix.com-Branding auf der Website“ enthalten – im Gratis-Tarif ist es also da.
Ihre Besucher sehen dann nicht nur Ihr Angebot, sondern auch das des Anbieters. Auf das Aussehen, die Größe und die Platzierung dieser Werbung haben Sie keinen Einfluss.
2. Keine eigene Domain
Bei Jimdo bekommen Sie im Gratis-Tarif eine Adresse der Form ihrname.jimdosite.com; „Eigene Domain verbinden“ ist dort ausgeschlossen. Bei Wix ist die eigene Domain den Premiumpaketen vorbehalten. Eine Adresse wie tischlerei-huber.jimdosite.com lässt sich schlecht auf eine Visitenkarte drucken, wirkt auf Kundinnen und Kunden wenig professionell – und sie gehört nicht Ihnen. Warum sich eine eigene Domain lohnt, habe ich in 11 klare Vorteile der eigenen Domain im Internet zusammengefasst.
3. Der Umzug wird teuer – oder unmöglich
Das ist das Risiko mit den höchsten Folgekosten. Bei Wix lässt sich eine Website nicht exportieren und bei einem anderen Anbieter weiterbetreiben (Wix-Hilfe, „Exporting or Embedding Your Wix Site Elsewhere“). Wer wechseln will, baut neu. Und auf einer kostenlosen Wix-Adresse lassen sich keine 301-Weiterleitungen einrichten (Wix-Hilfe, „Setting Up 301 Redirects“) – genau die Weiterleitungen, mit denen Suchmaschinen erfahren, dass Ihre Seiten umgezogen sind. Ohne sie fängt die neue Website bei Google wieder von vorne an.
Je länger die Gratis-Website läuft und je besser sie gefunden wird, desto mehr verlieren Sie beim Wechsel. Wie Sie von Anfang an eine Lösung wählen, die Sie mitnehmen können, steht in 5 kritische erste Schritte beim Website-Erstellen.
4. Eng begrenzte Seitenzahl
Jimdo erlaubt im Gratis-Tarif fünf Unterseiten. Für eine Visitenkarte im Netz klingt das genug – bis Sie nachzählen: Impressum und Datenschutzerklärung belegen bereits zwei davon (siehe Punkt 9). Für Leistungen, Referenzen, Über uns und Kontakt bleiben drei.
5. Funktionen, die erst gegen Bezahlung kommen
Der Gratis-Tarif ist der Einstieg in ein Stufenmodell: Was die meisten Betriebe nach kurzer Zeit brauchen, steckt in den Bezahltarifen. Bei Jimdo sind im Gratis-Tarif zum Beispiel Besucherstatistiken, erweiterte SEO-Einstellungen und das Verbinden einer eigenen E-Mail-Adresse ausgeschlossen. Ohne Statistik wissen Sie nicht, ob überhaupt jemand Ihre Website besucht; ohne SEO-Einstellungen können Sie kaum beeinflussen, wie Ihre Seiten in den Suchergebnissen erscheinen.
6. Kaum Unterstützung, wenn es klemmt
Bei Jimdo ist der Premium-Support im Gratis-Tarif ausgeschlossen. Was das heißt, merken Sie in dem Moment, in dem etwas nicht funktioniert und Sie in den Hilfeseiten keine Antwort finden. Bei einer privaten Seite ist das ärgerlich; bei der Website Ihres Betriebs kostet es Anfragen.
7. Begrenzter Speicherplatz
Auch der Platz für Bilder und Dateien ist im Gratis-Tarif begrenzt – bei Jimdo auf 5 GB. Für eine kleine Website reicht das lange; mit vielen Fotos in voller Auflösung, Videos oder Dokumenten zum Herunterladen stoßen Sie früher an die Grenze, als Sie denken.
8. Der Anbieter bestimmt die Regeln
Was im Gratis-Tarif enthalten ist, legt der Anbieter fest, und er kann es ändern. Sie bauen Ihre Website auf fremdem Grund: Werkzeuge, Vorlagen und Funktionen stammen aus dem Baukasten des Anbieters und funktionieren nur dort. Lesen Sie die Nutzungsbedingungen, bevor Sie Zeit in die Website stecken – insbesondere, was mit Ihrer Website passiert, wenn der Anbieter den Gratis-Tarif einschränkt oder Ihr Konto schließt.
9. Impressum und Datenschutz bleiben Ihre Sache
Eine Gratis-Website befreit nicht von den rechtlichen Pflichten. Wer in Österreich oder Deutschland beruflich im Netz auftritt, braucht ein Impressum und, sobald die Website personenbezogene Daten verarbeitet, eine Datenschutzerklärung. In Österreich verlangt das Mediengesetz sogar von privaten Websites Name und Wohnort des Betreibers. Was genau gilt, steht in Impressum, Datenschutzerklärung und Cookie-Banner.
10. Die Daten Ihrer Besucher liegen beim Anbieter
Verarbeitet der Anbieter in Ihrem Auftrag Daten Ihrer Besucher – etwa Nachrichten aus dem Kontaktformular –, sind Sie dafür verantwortlich, und die DSGVO verlangt dafür einen Vertrag mit ihm (Art. 28 Abs. 3 DSGVO). Prüfen Sie, ob der Anbieter einen solchen Auftragsverarbeitungsvertrag anbietet, wo er die Daten speichert und ob er sie in Länder außerhalb der EU überträgt. All das gehört anschließend in Ihre Datenschutzerklärung.
Wann eine Gratis-Website trotzdem reicht
Für ein privates Projekt, ein Hobby, eine einmalige Veranstaltung oder einen ersten Versuch, wie sich ein Baukasten anfühlt, ist ein Gratis-Tarif in Ordnung. Rechnen Sie nur damit, dass Sie die Website nicht mitnehmen können, wenn aus dem Versuch etwas Ernstes wird.
Die Alternative: klein anfangen, aber auf eigenem Grund
Für einen Betrieb, einen Verein oder eine Selbständigkeit ist die bessere Grundlage eine eigene Domain und ein eigenes Hosting-Paket, auf dem ein System wie WordPress läuft. Das kostet einen überschaubaren Monatsbetrag, gehört aber Ihnen: Sie können den Hoster wechseln, die Website mitnehmen und alle Weiterleitungen selbst setzen. Worauf Sie beim Hosting achten sollten, steht in 15 Profi-Tipps für den Vergleich von WordPress-Hosting; welche Funktionen eine Website heute braucht, in 21 unverzichtbare Funktionen einer modernen Website.
Fazit
Eine Gratis-Website kostet kein Geld, aber Unabhängigkeit: fremde Werbung, eine fremde Adresse, begrenzte Seiten und Funktionen, und ein Umzug, der oft ein Neubau ist. Für einen Versuch ist das in Ordnung. Für die Website Ihres Betriebs sollten Sie von Anfang an auf eigenem Grund bauen.

