Ich glaube, wir kennen das alle: Man hat eine neue Idee, ein neues Geschäft oder einen Verein, der endlich sichtbar werden soll – aber keine Ahnung, wo man mit der eigenen Website beginnen soll. Was muss ich beim Website-Erstellen beachten, und was kommt zuerst?
Bevor Sie die erste Seite gestalten, treffen Sie fünf Entscheidungen, die sich später nur mit viel Aufwand ändern lassen:
- Wozu soll die Website da sein, und woran merke ich, dass sie funktioniert?
- Welche eigene Domain bekommt sie?
- Baukasten oder Content-Management-System (CMS)?
- Welches Hosting-Paket passt dazu?
- Was muss auf jeden Fall auf die Website – Pflichtseiten, Inhalte, Bilder?
Danach heißt es: bestellen und loslegen.
Schritt 1: Wozu soll die Website da sein?
Dieser Punkt ist der wichtigste, und er wird am häufigsten übersprungen. Ohne Ziel wissen Sie weder, welche Inhalte auf die Website gehören, noch, ob sie später etwas bringt. Fragen Sie sich also zuerst: Was soll die Website für mich tun? Typische Antworten und die Gegenfrage, die Sie sich dazu stellen sollten:
- Mich und meinen Betrieb vorstellen. Gegenfrage: Was wollen Menschen wissen, bevor sie mich anrufen oder mir schreiben? Notieren Sie die Fragen, die Ihnen am Telefon immer wieder gestellt werden.
- Neue Kundschaft oder neue Mitglieder gewinnen. Gegenfrage: Wie genau? Indem auf der Website klar steht, welches Problem Sie lösen und warum gerade Sie.
- Weniger Fragen beantworten müssen. Gegenfrage: Welche Fragen sind das? Eine gute FAQ-Seite spart Ihnen jede Woche Zeit.
- Produkte verkaufen oder Termine vergeben. Gegenfrage: Was ist der Vorteil gegenüber anderen Wegen? Dann brauchen Sie einen Shop oder ein Online-Buchungssystem.
- Neuigkeiten veröffentlichen. Gegenfrage: Erreiche ich die Menschen so am besten, oder wäre ein Newsletter besser? Eine Website hilft übrigens auch beim Sammeln von Newsletter-Anmeldungen.
Aus dem Ziel ergibt sich auch, was Sie später messen: Anfragen über das Kontaktformular, Anrufe, Buchungen, Verkäufe, Anmeldungen. Legen Sie das jetzt fest – dann können Sie in einem halben Jahr sagen, ob die Website ihren Zweck erfüllt. Dafür brauchen Sie nicht zwingend ein großes Statistik-Werkzeug: Oft reicht es, mitzuzählen, wie viele Anfragen über die Website kommen.
Schritt 2: Soll ich eine eigene Domain für meine Website verwenden?

Eine eigene Domain hat viele Vorteile: ein professioneller Auftritt, Kontrolle über den eigenen Namen, E-Mail-Adressen mit Ihrer Domain – und das zu einem überschaubaren Preis. Die Alternative ist eine Adresse wie ihr-name.wixsite.com oder ihr-name.wordpress.com bei einem Gratis-Angebot. Die kostet nichts, wirkt aber auch so.
Eine eigene Domain kostet eine jährliche Gebühr, deren Höhe von der Endung (.de, .at, .com, …) und vom Anbieter abhängt. Worauf Sie beim Preisvergleich achten sollten, steht in Was kostet eine Domain? Preise pro Jahr und Fallen beim Preisvergleich. Bei Gratis-Angeboten ist übrigens meist genau dann Schluss mit gratis, wenn Sie eine eigene Domain verwenden wollen.
Firmen aufgepasst: Die eigene Domain ist Pflicht!

Für einen Betrieb, eine Praxis oder einen Verein ist die Sache für mich klar: Eine eigene Domain gehört zum Auftritt wie ordentliche Visitenkarten – und kostet eher weniger. Eine Firma, die als Website meinefirma.wordpress.com angibt, wirkt nicht professionell. Die wichtigsten Gründe habe ich in 11 klare Vorteile der eigenen Domain im Internet zusammengefasst.
Der Domain-Name sollte außerdem gut gewählt sein. Stark vereinfacht gilt:
- Je kürzer und leichter zu merken, desto besser
- Ihr Name oder Firmenname mit .de, .at oder .ch ist für einen Betrieb im deutschsprachigen Raum meist die beste Wahl; .com funktioniert ebenso
- Ist das alles vergeben, helfen eine Ergänzung (Ort, Branche) oder eine der neueren Endungen – manche davon kosten allerdings deutlich mehr pro Jahr
- Weniger ist mehr, auch bei Bindestrichen
Eine bereits vergebene Wunschdomain kann man auch kaufen. Was dabei zu beachten ist, steht in meinem Artikel zum Thema Premium-Domains; und warum manche so teuer sind, in einem eigenen. Mehr zum Thema finden Sie auf meiner Seite Domains: Kaufen, verkaufen, investieren.
Moment mal: Kann ich die Domain für meine Website nicht sowieso später noch ändern?
Ja, das geht. Aber eine neue Domain bedeutet einen Umzug der Website, quasi von einer Internet-Stadt in die andere – und jede(r), die oder der schon einmal mit Sack und Pack umgezogen ist, weiß, was das für ein Stress ist.
Auf der Website selbst müssen Einstellungen und interne Links angepasst werden, denn jede Seite und jedes Bild hat eine Adresse (URL), die mit dem Domain-Namen beginnt. Und außerhalb der Website steht Ihre Domain auf Visitenkarten, im Briefkopf, in Verzeichnissen und in E-Mail-Adressen. Vor allem aber hat Google Ihre Website unter der alten Adresse kennengelernt. Ohne sorgfältige Weiterleitungen finden frühere Kundinnen und Kunden so etwas wie ein leergeräumtes Geschäftslokal vor und gehen weiter zur Konkurrenz um die Ecke.
Fazit: Aus der Saat, die Sie mit der eigenen Domain pflanzen, wächst mit der Zeit etwas Wertvolles. Lieber am Anfang gut planen als hinterher verzweifeln und die Profis rufen (denn das hätte man ja schließlich auch gleich machen können).
Schritt 3: Website-Baukasten oder Content Management System (CMS)?

Das klingt zuerst nach einer Entscheidung für weniger oder mehr Aufwand. Viel wichtiger ist aber die Flexibilität – und die Konsequenzen sind ähnlich weitreichend wie bei der Domain.
Ein Beispiel: Ich habe mir eine Gratis-Website bei Wix geholt und mit dem Baukasten alles aufgebaut. Inzwischen nervt mich, dass meine Website unter maxi.wixsite.com/maxiswebsite zu finden ist. Außerdem fehlt mir eine Funktion, oder sie steckt in einem Tarif, der mir zu teuer ist. Eine Freundin hat mir von WordPress erzählt, und ich möchte umziehen.
An dieser Stelle würde ich aus Erfahrung einmal tief durchatmen, alle Texte kopieren und von vorn beginnen. Eine Wix-Website lässt sich nämlich nicht zu einem anderen Anbieter exportieren. Und was ich bis dahin an Platzierungen bei Google gesammelt hätte, wäre vermutlich verloren, denn von einer kostenlosen Wix-Adresse aus lassen sich keine dauerhaften Weiterleitungen (301) einrichten. Eine Art Super-GAU also.
Man merkt: Ich bin nicht der größte Freund von Baukästen. Das ist aber meine persönliche Vorliebe – ich brauche Flexibilität und Kontrolle. Für viele Websites ist ein Baukasten völlig in Ordnung.
Das Konzept Website-Baukasten in aller Kürze
Fast jeder Hosting-Anbieter hat inzwischen einen eigenen Baukasten im Programm, dazu kommen spezialisierte Anbieter wie Wix oder Jimdo. Sie brauchen dafür scheinbar keinerlei Vorkenntnisse, Wix erstellt auf Wunsch sogar per KI einen ersten Entwurf.
Die Grenzen kommen trotzdem, früher oder später: Der Baukasten hat vielleicht keine blauen Bausteine, sondern nur gelbe. Oder keine runden, sondern nur eckige. Manche Funktionen gibt es nur in teureren Tarifen. Wenn Sie zu einem Baukasten tendieren, überlegen Sie deshalb vorher möglichst genau, was Ihre Website können soll, und prüfen Sie, ob und zu welchem Preis das geht.
Das Konzept CMS in aller Kürze
Ein Content-Management-System (CMS) ist Software, die auf dem Webserver Ihres Hosters läuft und mit der Sie die Inhalte Ihrer Website verwalten und gestalten, ohne HTML und CSS von Hand schreiben zu müssen.
Das mit Abstand verbreitetste ist WordPress: Es läuft laut W3Techs auf rund 40 % aller Websites (Stand Oktober 2026). Ursprünglich für Blogs entwickelt, trägt es heute Websites jeder Art. Andere bekannte CMS sind TYPO3, verbreitet bei großen Organisationen, und Joomla!. Manche Agenturen bieten auch eigene CMS an; dafür sehe ich bei einer kleinen Website keinen Grund, wohl aber das Risiko, vom Anbieter abhängig zu werden.
Für fast jede zusätzliche Funktion gibt es bei den großen Open-Source-CMS bereits ein passendes Plugin, sehr oft sogar gratis. Kurz gesagt: Ein CMS bietet eine solide, flexible Basis – im Austausch für etwas mehr Eigenverantwortung, vor allem für Updates. Ich selbst arbeite mit WordPress; wie man damit eine Website erstellt, zeige ich in meiner kompletten Anleitung in 19 Schritten.
Entscheidungshilfe: Website-Baukasten oder CMS
Website-Baukasten Pro und Kontra:
Pro:
- Leichter, direkter Einstieg ohne Vorkenntnisse
- Technik, Updates und Hosting übernimmt der Anbieter
- Große Auswahl bei verschiedenen Anbietern
Kontra:
- Die große Auswahl kostet Zeit, und die Entscheidung kann sich im Nachhinein als falsch herausstellen
- Eventuell versteckte Kosten (Freemium-Modell) oder Werbung des Anbieters in Gratis-Tarifen
- Eingeschränkte Gestaltung und Funktionen
- Ein Umzug zu einem anderen Anbieter ist nicht vorgesehen
- Ihre Website hängt davon ab, dass es den Baukasten und Ihren Tarif auch in fünf Jahren noch gibt
CMS Pro und Kontra:
Pro:
- Die bekannten CMS wie WordPress sind kostenlos, auch für kommerzielle Zwecke, und Open Source
- Unzählige Erweiterungen (Plugins) für fast jeden Zweck
- Mit dem Block-Editor von WordPress gestalten Sie Seiten inzwischen ähnlich wie in einem Baukasten; leistungsfähige Page-Builder wie Divi gibt es zusätzlich
- Sie können mit Website und Inhalten jederzeit zu einem anderen Hoster umziehen
- Viele Menschen kennen sich damit aus, Hilfe finden Sie leicht
Kontra:
- Die Flut an Möglichkeiten kann überwältigend sein
- Updates, Sicherungen und Sicherheit sind Ihre Aufgabe – oder die von jemandem, den Sie dafür bezahlen
Websitebaukasten oder CMS: Mein Fazit
Wer schnell eine ordentliche Visitenkarte im Netz braucht und nicht vorhat, an der Website in den nächsten Jahren viel zu ändern, ist mit einem Baukasten gut beraten.
Wer flexibel bleiben, die Kontrolle über Aussehen und Funktionen behalten und die Website mit der Zeit erweitern möchte, ist mit einem Open-Source-CMS wie WordPress auf der sicheren Seite.
Schritt 4: Wahl des Web-Hosting Providers

Haben Sie sich für einen Baukasten entschieden, ist das Hosting meist schon dabei. Für ein CMS brauchen Sie ein Hosting-Paket – und hier gibt es sehr viel Auswahl und viele Einzelheiten. Für eine normale Firmen- oder Vereinswebsite reicht meist ein solides Shared-Hosting-Paket. Wichtiger als Speicherplatz sind diese Fragen:
- Sicherungen: Werden automatisch Backups erstellt, und können Sie eine Sicherung selbst zurückspielen?
- E-Mail: Sind Postfächer für Ihre Domain dabei, und wie viele?
- Technik: Kostenlose SSL-Zertifikate (Let's Encrypt), aktuelle PHP-Versionen, eine Ein-Klick-Installation für WordPress
- Wachstum: Bleibt es bei einer Website, oder kommen weitere dazu? Planen Sie einen Shop oder viele Fotos und Videos?
- Preise und Laufzeiten: Aktionspreise gelten oft nur im ersten Jahr. Rechnen Sie mit dem regulären Preis und achten Sie auf Mindestlaufzeit und Kündigungsfrist.
Die Kriterien im Detail und die drei Anbieter, die ich mir heute zuerst ansehen würde, finden Sie in meiner Hosting-Empfehlung. Noch tiefer geht es in 15 Profi-Tipps für den Vergleich von WordPress-Hosting. Und falls Sie später wechseln wollen: Beim Hostingwechsel müssen Sie nicht auf die Kündigung warten.
Firmen aufgepasst: Der Serverstandort
Ein kurzer, aber wichtiger Hinweis für alle, die mit der Website personenbezogene Daten verarbeiten – also eigentlich für jede Betreiberin und jeden Betreiber: Achten Sie auf einen Serverstandort in der EU und darauf, dass Sie mit dem Hoster ohne Aufwand einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) abschließen können. Ihr Hoster verarbeitet in Ihrem Auftrag Daten Ihrer Besucherinnen und Besucher, etwa aus dem Kontaktformular, und das gehört in Ihre Datenschutzerklärung.
Schritt 5: Pflichtseiten, Inhalte und Bilder vorbereiten
Bevor Sie bestellen und loslegen, legen Sie sich zurecht, was auf jeden Fall auf die Website muss:
- Impressum und Datenschutzerklärung sind für Unternehmen Pflicht, und beide müssen von jeder Seite aus leicht zu finden sein – üblicherweise über einen Link im Fußbereich. Die Datenschutzerklärung muss zu dem passen, was auf Ihrer Website tatsächlich läuft. Einen Überblick gibt Impressum, Datenschutzerklärung, Cookie-Banner: Was Ihre Website in Österreich und Deutschland braucht.
- Inhalte, die zu Ihrem Ziel aus Schritt 1 passen: zum Vorstellen Kontaktdaten und das Wichtigste über Sie; zum Gewinnen von Kundschaft die konkreten Vorteile Ihres Angebots; zum Entlasten eine FAQ-Seite; zum Verkaufen Produktinformationen und Shop. Ideen für die ersten Texte finden Sie in 9 super-einfache Tipps für erste Website-Inhalte.
- Gute Bilder: Sie tragen viel zum Eindruck einer Website bei. Für Porträts und Ihre Räume oder Produkte lohnt sich ein Profi-Fotograf. Für Neuigkeiten wirken Fotos vom eigenen Handy oft authentischer als gestellte Aufnahmen. Und es gibt Bildplattformen, auf denen man Fotos auch kostenlos für kommerzielle Zwecke findet – achten Sie dort auf die Lizenz.
Wie viel Zeit das alles kostet, habe ich in Wie lange dauert es, eine Website zu erstellen? durchgerechnet. Für Selbständige und kleine Betriebe wird das schnell zur Gratwanderung: Die eigene Zeit, die Sie in Einarbeitung und Umsetzung stecken, kostet oft mehr, als die Arbeit abzugeben – und trotz aller Sorgfalt bleiben Fallen, die man erst beim zweiten Mal kennt.
Bestellen und loslegen!

Sind die Entscheidungen gefallen, bestellen Sie den passenden Tarif beim Baukasten-Anbieter oder das Hosting-Paket mit Ihrer Wunschdomain. Bis alles eingerichtet ist, dauert es zwischen einigen Minuten und einem Tag. Bestätigungs-E-Mails zeigen Ihnen den Fortschritt – wenn eine nicht kommt, sehen Sie im Spam-Ordner nach.
Dann geht es los. Bei einem Baukasten lohnt sich ein Blick in die Anleitungen oder Demovideos des Anbieters; man kann aber auch einfach anfangen zu spielen. Bei WordPress führen Sie die Ein-Klick-Installation Ihres Hosters aus oder folgen der Installationsanleitung auf wordpress.org – und dann meiner Anleitung in 19 Schritten.
So oder so: Jetzt ist es Zeit, die Vision zu Papier, äh …, zu Website zu bringen. Ich wünsche Ihnen dabei viel Freude und den erwünschten Erfolg!
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Inhalt und Funktion
Noch ein kleiner Hinweis zum Schluss: Großartiger Inhalt ist das Herz jeder guten Website. Eine moderne Website braucht aber auch die passenden Funktionen. Welche das sind, steht in 21 unverzichtbare Funktionen einer modernen Website. Und für alle, die doch lieber kostenlosen Webspace verwenden würden, gibt es einen Denkanstoß: Gratis-Website: 10 ernste Risiken, die Sie vorher kennen sollten.

