Ein Vorstellungstext für die Website, eine Produktbeschreibung für den Shop, eine freundliche Absage an einen Lieferanten: Im Betrieb wird ständig geschrieben. Kann ChatGPT das übernehmen – und zwar auf Deutsch?
Kurz gesagt: Ja. ChatGPT schreibt gutes Deutsch, auch in der Sie-Form und im gewünschten Ton. Brauchbar wird der Text aber erst, wenn Sie die Fakten selbst vorgeben, das Erfinden ausdrücklich verbieten und das Ergebnis lesen, bevor Sie es verwenden. Für das, was am Ende veröffentlicht wird, sind Sie verantwortlich, nicht das Programm.
Ich zeige das an zwei echten Gesprächen vom 9. Oktober 2026 – einem Vorstellungstext und einer Produktbeschreibung –, mit allen Prompts zum Kopieren.
ChatGPT als Helfer für das Verfassen von Texten

ChatGPT ist ein Sprachmodell: Es formuliert flüssig, trifft einen Ton und hält eine Länge ein. Was es nicht hat, sind Ihre Fakten. Fehlen sie, füllt es die Lücken mit dem, was zu einem solchen Text typischerweise gehört – und genau dort entstehen die Sätze, die nicht stimmen. Ein guter Auftrag (Prompt) enthält deshalb fünf Dinge:
- Wofür der Text ist und wer ihn liest – „Über-mich-Seite, Leser sind Familien, die eine Küche planen“.
- Die Fakten, als Stichpunkte.
- Den Stil: Sie- oder Du-Form, sachlich oder locker, höchstens wie viele Wörter, „ohne Superlative“.
- Ein ausdrückliches Verbot: „Bitte nichts dazuerfinden.“ Wenn Sie es österreichisch mögen, auch: „Schreib österreichisches Deutsch (Jänner, heuer).“
- Das Format: Absätze, Zwischentitel, eine Liste.
Ich habe beide Beispiele ohne Anmeldung geführt, also mit dem kostenlosen Zugang und ausgeschaltetem Modelltraining. Die Firma im ersten Beispiel ist erfunden; das Produkt im zweiten ist dasselbe wie in meinem Versuch von 2023.
Beispiel 1: Ein Vorstellungstext für die Website
Alle fünf Punkte in einer Nachricht:
Ich brauche einen kurzen Vorstellungstext für die „Über mich“-Seite meiner Website. Hier die Fakten, bitte nichts dazuerfinden: - Name: Maria Huber, Tischlermeisterin, führt seit 2015 eine Tischlerei mit vier Mitarbeitenden in einer Kleinstadt in der Steiermark - Schwerpunkt: Küchen und Einbauschränke nach Maß, vor allem für Altbauwohnungen mit schiefen Wänden - Arbeitsweise: Aufmaß vor Ort, 3D-Entwurf vor dem Angebot, Montage durch das eigene Team Leserinnen und Leser: Paare und Familien, die eine Küche planen. Stil: sachlich, freundlich, Sie-Form, höchstens 120 Wörter, ohne Superlative.
Die Antwort, vollständig:
Über mich
Mein Name ist Maria Huber. Als Tischlermeisterin führe ich seit 2015 meine eigene Tischlerei mit vier Mitarbeitenden in einer Kleinstadt in der Steiermark.
Mein Schwerpunkt liegt auf maßgefertigten Küchen und Einbauschränken, insbesondere für Altbauwohnungen mit schiefen Wänden. Denn gerade dort kommt es auf genaue Planung und passgenaue Lösungen an.
Damit Sie sich Ihre neue Küche gut vorstellen können, nehme ich zunächst vor Ort Maß und erstelle einen 3D-Entwurf, bevor Sie ein Angebot erhalten. Die Montage übernimmt anschließend mein eigenes Team.
So begleite ich Sie von der Planung bis zur fertigen Montage Ihrer Küche – persönlich und mit handwerklicher Sorgfalt.
Sachlich, in der Sie-Form, unter 120 Wörtern, und nichts erfunden. Nur der letzte Satz ist austauschbar – „handwerkliche Sorgfalt“ verspricht jede Tischlerei. Also:
Gut. „Mit handwerklicher Sorgfalt“ sagt jede Tischlerei – ersetze den letzten Satz durch etwas, das nur auf uns zutrifft, und mach daraus zusätzlich eine Variante in der Wir-Form für die Seite „Unser Team“.
Der neue Schlusssatz:
Sie sehen Ihre Küche bereits vor dem Angebot als 3D-Entwurf – und montiert wird sie von meinem eigenen Team.
Und die Wir-Form beginnt mit:
Wir sind eine Tischlerei in einer Kleinstadt in der Steiermark und fertigen seit 2015 Küchen und Einbauschränke nach Maß. Unser Team besteht aus Tischlermeisterin Maria Huber und vier Mitarbeitenden.
Was mir auffällt: Der neue Schlusssatz ist konkret, wiederholt aber nur den Absatz davor – im fertigen Text stehen 3D-Entwurf und eigenes Team jetzt zweimal. Das merkt man nur beim Lesen. Eine Zeile „Streich den dritten Absatz“ behebt es. 2023 hatte ich ChatGPT für einen ähnlichen Text noch ausdrücklich Details erfinden lassen, und die erste Fassung begann mit „dem malerischen Österreich“ – ich musste sie in beiden Versionen nachbessern lassen. Heute ist das Problem eher die Wiederholung als der Kitsch.
Beispiel 2: Eine Produktbeschreibung für den Online-Shop
Hier ist das Risiko ein anderes: Was in einer Produktbeschreibung steht, ist eine Werbeaussage Ihres Shops. Ich habe dieselben Prompts verwendet wie 2023 – auch den, der ChatGPT ausdrücklich einlädt, Lücken mit eigenen Annahmen zu füllen.
Hallo! Ich brauche Hilfe beim Verfassen einer Produktbeschreibung für meinen Online-Shop. Kannst Du mir dabei helfen?
ChatGPT fragte nach Produkt, Besonderheiten, Zielgruppe und Stil. Dann:
Gerne: Beim Produkt handelt es sich um ein Zirbenduft-Säckchen. Es ist ein Bio-Produkt und enthält Zirbenholz-Späne in einem durchlässigen und durchsichtigen Säckchen aus natürlichem Material. Die Zielgruppe sind gesundheitsbewusste Eltern in Jungfamilien. Ich mag subtilen Humor in Produktbeschreibungen gerne. Ansonsten soll das Ganze positiv und sachlich klingen. Welche Art von Informationen brauchst Du noch, um die Beschreibung für dieses Produkt zu verbessern oder überzeugend schreiben zu können? Bitte gib mir am besten eine Liste von noch mindestens 10 relevanten Informationen.
Die Antwort war eine Liste von 15 Fragen, und drei davon hätte 2023 kein Modell gestellt:
2. Was bedeutet „Bio“ bei Deinem Produkt? Ist das Zirbenholz selbst bio-zertifiziert, stammt es aus ökologischer Forstwirtschaft oder bezieht sich die Bio-Angabe auf bestimmte Bestandteile? Gibt es ein anerkanntes Zertifikat oder ein Prüfsiegel?
7. Welche Rolle spielen Babys und Kleinkinder? […] Wir sollten keine Kindersicherheit suggerieren, die nicht geprüft wurde.
10. Welche Eigenschaften sind nachweisbar? […] Wir können den natürlichen Duft und das Material positiv hervorheben, ohne unbelegte Gesundheitswirkungen, eine Verbesserung des Schlafs oder eine Reinigung der Raumluft zu behaupten.
Dann der Auftrag mit der Einladung zum Annehmen:
Vielen Dank für diese Liste. Das klingt so, als könntest Du einige dieser Punkte bereits sehr gut selbst beantworten. Bitte verwende Deine Anmerkungen und Mutmaßungen/Beispiele für alle Punkte, zu denen ich Dir gleich keine Angaben mache, und schreibe mit all diesen Informationen die perfekte Produktbeschreibung. Gehe davon aus, dass das Produkt von höchster Qualität ist und mache die entsprechenden Annahmen. Verwende so viele Absätze, wie es ideal ist. Fehlende Angaben: Größe: 20x10x5 cm, Menge: 15 Gramm, Preis: 12,90 Euro, Verfügbarkeit: auf Lager Bitte denk Dir außerdem noch drei mögliche Produkte aus, die in Kombination mit diesem verkauft werden könnten, und liste sie auf.
ChatGPT schickte voraus, dass es bei nicht bestätigten Details „wie Herkunft, Bio-Zertifizierung, Handfertigung und Duftdauer“ bewusst zurückhaltend formuliere. Der Text selbst beginnt so:
Zirbenduft-Säckchen aus natürlichen Materialien – ein kleines Stück Wald für Dein Zuhause
Manchmal braucht es gar nicht viel, um sich zu Hause wohlzufühlen. Unser Zirbenduft-Säckchen bringt den charakteristischen, angenehm holzigen Duft der Zirbe in Deine vier Wände – ganz unkompliziert und ohne großes Tamtam. Denn zwischen Familienalltag, Spielzeugbergen und der ewigen Frage „Was gibt's heute zu essen?“ darf es zu Hause ruhig auch einmal natürlich duften.
Danach: Absätze zu Duft, Anwendung und Familie, ein Hinweis „Das Säckchen ist kein Spielzeug und sollte außerhalb der Reichweite von Babys und Kleinkindern aufbewahrt werden“, eine Übersicht der Produktdetails, drei ausdrücklich als Ideen gekennzeichnete Ergänzungsprodukte mit Preisvorschlägen – und zum Schluss drei Punkte, die ich vor der Veröffentlichung prüfen solle: die Bio-Angabe, Herkunft und Qualität, und keine Gesundheitsversprechen.
Der Unterschied zu 2023
Mit denselben Prompts hatte 2023 die bezahlte Version geschrieben, das Säckchen stamme „direkt aus den unberührten Höhenlagen der Alpen“ und sei mit „handverlesenen“ Spänen gefüllt, sein Duft könne „den Schlaf verbessern“. Die kostenlose Version nannte es „bio-zertifiziert“, es erfülle „die strengsten Standards“ und „fördert einen erholsamen Schlaf, reduziert Stress“. Nichts davon hatte ich angegeben – „Bio-Produkt“ ja, ein Zertifikat nicht. Wer diesen Text 2023 in seinen Shop kopiert hätte, hätte mit Herkunft, Zertifikat und Gesundheitswirkung geworben, ohne eines davon belegen zu können.
Heute fragt ChatGPT nach, formuliert vorsichtig und warnt selbst. Das ist ein echter Fortschritt – aber kein Freibrief. Ein anderes Produkt, ein anderer Prompt oder ein anderes Modell kann wieder erfinden, und die Haftung für Ihre Produktseite liegt bei Ihnen.
Was Sie selbst prüfen müssen
- Jede Tatsachenbehauptung: Herkunft, Material, Maße, Zertifikate, Lieferzeit, Preise. Ein guter Kontroll-Prompt danach: „Welche Angaben in diesem Text stammen nicht von mir?“
- Jede Wirkung: Gesundheit, Schlaf, Umwelt, Sicherheit. Was Sie nicht belegen können, streichen Sie.
- Wiederholungen und Füllsätze wie im ersten Beispiel. Lesen Sie den Text einmal laut.
- Den Ton: ChatGPT duzt, wenn man es duzt. Für einen Shop mit Sie-Ansprache sagen Sie es ausdrücklich.
Kennzeichnen müssen Sie solche Texte übrigens nicht. Die EU-KI-Verordnung (Art. 50 Abs. 4) verlangt einen Hinweis nur für KI-Texte, die die Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse informieren – und auch dort nicht, wenn ein Mensch den Text geprüft hat und jemand die redaktionelle Verantwortung trägt. Eine Produktbeschreibung oder ein Vorstellungstext, den Sie gelesen und freigegeben haben, fällt nicht darunter.
Wie ich KI heute beim Schreiben einsetze
Einen Text ganz von der KI schreiben zu lassen, ist heute kein technisches Problem mehr – eine KI kann auch eine komplette Website mit allen Texten erstellen. Nur bringt das wenig, wenn niemand vorgibt, wofür, für wen und mit welchen Fakten, und niemand das Ergebnis im Detail prüft. Dann entsteht Text, der für jeden Betrieb gelten könnte, mit Fehlern, die keiner bemerkt. Der Wert liegt heute in der Führung und im Prüfen, nicht mehr im Tippen.
Bei meinen eigenen Websites setze ich generative KI inzwischen in fast jedem Arbeitsschritt ein:
- Recherche – Quellen finden, lange Dokumente zusammenfassen.
- Faktencheck – jede Behauptung gegen die Originalquelle halten, nicht gegen eine Zusammenfassung.
- Korrekturen – Vorschläge machen lassen und, wo sie stimmen, gleich einarbeiten.
- Redaktionelle Durchsicht – Aufbau, Verständlichkeit, Wiederholungen, Ton.
- Texten – Entwürfe wie die beiden oben, von der Produktseite bis zum Artikel.
- Planung und Organisation – welche Seiten überarbeitet werden, in welcher Reihenfolge.
- Auswertung von SEO-Daten – welche Suchanfragen auf welche Seite führen und was dort fehlt.
Auch dieser Artikel ist so entstanden: Die KI hat recherchiert, die beiden Beispiele in ChatGPT durchgespielt und den Text entworfen; ich habe die Richtung vorgegeben, ihn geprüft und freigegeben. Bei mir bleibt die Entscheidung, was stimmen muss und was veröffentlicht wird.
Wie das für einen Blog-Artikel im Einzelnen aussieht, steht in Mit ChatGPT einen Blog-Artikel vorbereiten; für eine Liste zum Abhaken: Mit ChatGPT eine Checkliste erstellen.
Andere Assistenten wie Microsoft Copilot, Google Gemini, Claude oder Le Chat schreiben ebenfalls gut Deutsch; für sie gilt dasselbe Vorgehen. Ein Überblick steht in ChatGPT verwenden.
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Hallo Andreas, vielen Dank für den Beitrag, den ich für sehr wichtig empfinde und gerade kleine Unternehmen viel Zeit erspart beim Produkttexten. Dein Einverständnis vorausgesetzt würde ich gerne deine Seite als URL – natürlich mit Angabe des Quellenhinweis – mit in meinen Guide aufnehmen. Es hilft einfach den jungen GründerInnnen. Danke dafür. Gutes SEO!
Gerne, freut mich, dass der Beitrag geholfen hat!